Nachdem wir anderthalb Tage in Dar verbracht hatten, bestiegen wir am Sonntag den 7. Oktober samt unseres Gepäcks ein Daladala (genaugenommen waren es zwei) und fuhren ins 75 km nördlich von Dar gelegene Bagamoyo, eine einstmals lebendige Hafenstadt, die heute aus wenig mehr als ein paar Hütten, Wellblechsiedlungen und einer interessanten Geschichte besteht. Letzteres beruht insbesondere auf drei Gründen. Zum ersten sind die bekannten Kaole-Ruinen aus dem 15. Jahrhundert nahe bei Bagamoyo, über die wir weiter unten noch schreiben werden. Zum zweiten war die Stadt erst Hauptsitz der deutschen Kolonialverwaltung, ehe diese wegen des für größere Schiffe besseren Hafens nach Dar es Salaam verlegt wurde. Zum dritten war während der Zeit des Sklavenhandels hier das Ende einer der wichtigsten Sklavenstraßen vom im Westen gelegenen Tanganyikasee bis hier an den indischen Ozean, vonwoaus die Sklaven nach Sansibar und von dort in alle Welt verschifft wurden.
In Bagamoyo angekommen fanden wir ein Hotel („Gesti“ in Suahli), ließen unser Gepäck dort und machten uns daran, die Stadt zu erkunden. Die Stadt ist dabei nicht als Stadt zu bezeichnen; sie ist ein Dorf. Eine einzige asphaltierte Straße läuft parallel zum Strand am Ortsrand entlang. Der Ort und die umherliegenden Dörfer, in die Bagamoyo nahtlos übergeht und mit denen es zu verschmelzen scheint, sind von roten Lehm-Staubpisten durchzogen. Im so genannten Zentrum der Stadt finden sich einige steinerne Buden, während außerhalb des Kerns die meisten Hütten in traditioneller Bauweise errichtet sind. Dabei wird eine doppelte Struktur aus dünnen Holzstämmen und Zweigen geschaffen, in deren Zentrum eine Mischung aus Stroh und Lehm gefüllt wird; das Dach wird in der Regel mit Reet oder Matten aus Bananenblättern gedeckt. Das einzige zweistöckige Gebäude, das wir während unseres Aufenthalts gesehen haben, war die Polizeistation. Der Rest ist einstöckig.
Vom ersten Augenblick an hatten wir beide ein sehr gutes Gefühl in Bagamoyo. Es erschien uns als das authentischere, echtere, genuinere Tansania. Und das sollte es für uns auch werden.
Einige Stunden des Umherlaufens genügten, um die Stadt in ihren Ausmaßen mehrfach zu durchwandern. So machten wir uns am Ende unseres ersten Tages in das Restaurant auf, für das wir seit unserer Ankunft die meisten Empfehlungen erhalten hatten und aßen dort eine riesige Portion Ugali und Samaki. Samaki ist das Suaheli-Wort für Fisch, und Ugali ist ein weißer, hochviskoser und beinahe fester Brei, der aus Maismehl gewonnen wird, und keinen starken Eigengeschmack hat. Mit der rechten Hand (nie mit der Linken! Für diese gibt es –zumindest traditionell– andere Aufgaben!) und in deren Ballen formt man kleine Bällchen Ugali, die man sodann in die Sauce tunkt oder mit denen man Fischteile aufnimmt. Sehr lecker!
Und dann begann das richtige Abenteuer.
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