Am Morgen des kommenden Tages brachen wir um acht Uhr auf und liefen zunächst zwei Stunden auf Lehmstraßen, um ins Dorf Panga zu gelangen. Die morgenliche Bergwelt war von einer unbeschreiblichen Idylle erfüllt. Die Stimmung, das Licht, die grüßenden Menschen – bleibende und bewegende Eindrücke.

In Panga gesellte sich ein Bergführer zu uns, der den Wald sehr gut kannte und neben einem langen Zuckerrohrstock eine Machete mit sich führte. Denn diese Wanderung habe seit ungefähr einem Jahr niemand mehr unternommen. Schon Lushoto ist nicht sehr touristisch. Dabei kommen einige wenige Reisende in vier Tagesmärschen nach Mtae und fahren von dort zurück nach Lushoto. Aber nur ein sehr geringer Anteil der Besucher kommt nach Mtae, um von hieraus Ausflüge zu unternehmen, so wie wir.

Zu viert überquerten wir wenige Minuten später die Grenze zum Shagayo-Wald, die aus einer Reihe großer Eukalyptusbäume bestand. Der Zuckerrohrstab wurde dabei zunächst als Wanderstock, bald jedoch als Sarachrosequelle benutzt.

Unmittelbar nach dem Überqueren der offiziellen Grenze waren wir in einem richtigen und dichten Wald. Wir überquerten einen kleinen Wasserlauf und schon waren wir im schönsten, tiefsten, dichtesten Regenwald, den wir je gesehen hatten. Die Bäume waren sehr hoch, es gab zahreiche Ebenen mit Riesenfarnen, die bis zu 5m hoch wuchsen, hunderten von hängenden und kletternden Planzen, von symbiotischen Beziehungen, bunten Pilzen und Moosen und einem erdigen, hölzernden Waldgeruch. Beeindruckend! Genau nach so einem urwüchsigen, atemberaubenden Vegetationseldorado hatten wir gesucht. Und wir konnten kaum die Finger von Auslöser unser Kamera lassen, um die bezaubernden Schichten und Lagen grün einzufangen.

Nach wenigen Schritten hörten wir einen schrillen Schrei aus den Wipfeln über uns und unsere Führer wiesen uns auf einen großen, weiß-schwarzen Vogel mit einem großen Horn, einen Hornbill. Keine 10 min tiefer im Dschungel sahen wir, dass sich die Äste etwas vor und über uns stark bewegten: Große Kolobus-Affen schwangen sich dort von Baum zu Baum und sezten sich bald so zurecht, dass wir sie mit unserem mitgebrachten Fernglas wunderbar beobachten konnten. Die Affen sind recht groß und mit einem langen, dichten, schwarz-weißen Fell bedeckt, das auch ihr kleines, schwarzes Gesicht einrahmt. Das war ein wahres Spektakel!

Wie liefen noch weitere 4 Stunden stramm Bergauf, wobei sich der Wald mit zunehmender Höhe lichtete und nur wenige Baumarten übrig blieben, die in dieser Höhe gediehen. Auf ca. 2000 m machten wir auf einem felsigen Berghang Mittagspause und blickten von dort in den gigantischen Reichtum der unter uns wuchernden Regenwaldflora und hörten die tausenden Vogelrufe, die aus ihm ertönten.

Dort und auch an vielen späteren Stellen versuchten wir, die unzähligen Vögel, die wir so deutlich hörten, auch mit dem Fernglas sichtbar zu machen. Ohne Erfolg jedoch. Das Blätterdach und uns unbekannte Tarnmethoden verhinderten das Beobachten des uns umgebenden Federgetiers.

Erst um 16.30 Uhr verließen wir den Regenwald wieder und waren nach strammem Wandern kurz nach Sonnenuntergang in Mtae zurück, nachdem wir den ganzen Tag bergauf und –ab gelaufen waren.

Bald zogen wir uns deshalb in unsere Schlafzelle zurück und versuchten bis vier Uhr morgens möglichst viel und gut zu schalfen, denn zu dieser unchristlichen Stunde mussten wir aus den Decken kriechen und den einzigen Bus des Tages, der Mtae verlässt, nehmen und mit diesem erst nach Lushoto und dann nach Arusha fahren, wo wir sehr ermüdet, aber voller schöner Erinnerungen und Eindrücke am Nachmittag ankamen.

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